Reiseführer Saudi-Arabien

Beinahe bräuchte es einen Reiseführer Saudi-Arabien gar nicht zu geben, denn Saudi-Arabien ist kein Reiseland. Wenn man von Frankreich als „Paris und die Wüste“ spricht, dann ist Saudi-Arabien erst recht „Wüste plus ein paar Städte“, darunter allerdings so bekannte Orte wie Riad, Mekka und Medina. Dieser Dennoch-Quasi-Reiseführer soll aber Menschen, die sich für das Land interessieren und eine Reise dorthin zumindest erwägen, einige Hinweise geben, die in jedem Fall bei einer Reiseentscheidung berücksichtigt werden sollten. Saudi-Arabien ist ein absolutistisch regierter Staat, also ein Staat, dessen Herrscher über allen Gesetzen steht, unumschränkte Macht hat, völlig frei in allen seinen Entscheidungen ist und niemandem Rechenschaft schuldet. Außer Saudi-Arabien gibt es weltweit nur noch vier weitere Staaten auf die das zutrifft: Es sind Swasiland, Brunei, Katar und – ja – der Vatikan. Der derzeitige (März 2011) Herrscher Saudi-Arabiens ist Abdullah al Saud, einer der vielen Söhne des Staatsgründers, denn das Land ist im heutigen Zuschnitt erst rund 70 Jahre alt. Saudi-Arabien hat sehr viel Fels und Sand, aber sehr wenig Vegetation, sehr viel Platz (sechsmal die Fläche Deutschlands), aber nur ein gutes Drittel von Deutschlands Einwohnern. Was Saudi-Arabien über die Bedeutungslosigkeit einer Wüste jedoch weit erhebt, ist neben den wenigen Sehenswürdigkeiten des Landes der gigantische Ölreichtum, der dem Land zu größter politischer Relevanz, größtem Reichtum und in dessen Gefolge zu neuen, vor allem architektonischen, extremen Sehenswürdigkeiten verholfen hat. Großer Reichtum schmückt sich gern mit kleinen Geschenken – König Abdullah hinterließ bei seinem Staatsbesuch in Berlin (2007) seiner kleinen Berliner Polizeieskorte ein Trinkgeld von 24.000 US-Dollar.

Was ist die Kehrseite dieses Reichtums? In den letzten Jahren wurden in Saudi-Arabien von Polizei und Geheimdienst über 200 Anschläge verhindert, die vor allem den Ölanlagen gegolten haben sollen, aber auch auf Bürger und das politische System abzielten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Befreiungsbewegungen im Nahen Osten könnte bald oder später ein Funke auch auf Saudi-Arabien überspringen, trotz der in diesem Land fehlenden Armut weiter Teile der Bevölkerung, wie sie etwa in Tunesien, Algerien und Ägypten vorhanden ist. Allerdings ist auch ohnedies und bisher schon das Reisen nach und in Saudi-Arabien kein Vergnügen.

Wer nach Saudi-Arabien reist, hat zunächst die strengen Formalitäten zu erfüllen, sollte dann aber auch darauf achten, keine Frikadelle in der Tasche zu haben oder etwa eine DVD mit freizügigen Fotos mitzubringen, oder ein christliches Symbol zur Schau zu tragen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Auch wird ein Attest über HIV-Freiheit verlangt. Allerdings erhalten Individualreisende in aller Regel überhaupt kein Visum, Geschäftsreisende ausgenommen. Wer sich dann endlich im Lande befindet, sollte den strengen Kleidungssitten folgen, auch vielleicht zu bestimmten Zeiten nicht ausgehen. Und schon gar nicht sollte er – geschweige denn sie – ohne genaue Planung im Land umherreisen. Denn erstens müssen touristische Landeserkundungen beim Staat angemeldet werden bzw. bedürfen (für Fahrten durch die Wüste) einer Genehmigung und ggf. zusätzlich der Anwesenheit von staatlichen Sicherheitskräften (bei Besichtigungen von Altertümern). Sich nach alter touristischer Sitte ein Bild – oder viele Bilder – vom Land zu machen, sei es analog oder digital, ist ebenfalls sehr riskant und im Bereich der islamischen Heiligtümer komplett verboten. In aller Regel kostet es mindestens die Kamera – wie gesagt mindestens.

Auch die geringsten Signale homosexueller Neigungen sollten in Saudi-Arabien tunlichst vermieden werden, die Mindesstrafe liegt in vielen Schlägen mit dem Stock. Dass der deutsche Außenminister – als Zeichen höchster Wertschätzung – statt Stockschlägen eine Einladung in das Privathaus des Königs erhielt, die nur sehr selten ausgesprochen wird, beweist nicht nur die absolute Macht König Abdullahs, sondern auch seine Klugheit. Auf die sollte allerdings der gewöhnliche Reisende nicht zählen – ganz im Gegenteil.

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