Reiseführer Acapulco

Zugegeben: Der große Ruhm von Acapulco ist verblasst, die große Zeit des mexikanischen Pazifik-Badeortes vorbei. Aber es gab diese Zeit, in der eine Reise nach Acapulco, den Ort mit einer wunderschönen eigenen Bucht im Stadtbereich und zahllosen schönen kleinen Felsbuchten in der Umgebung, mindestens so imageträchtig war wie eine Privataudienz beim Papst – vielleicht sogar noch imageträchtiger. Das war die Zeit, als Acapulco einer der angesagtesten Promi-Ort der Welt war, und damit selbstverständlich einer der teuersten – oder überteuertsten – Urlaubsorte überhaupt. Es war die Zeit, als über einen Acapulco-Urlaub dieser charakteristische Witz kursierte: „Ich will ja dieses Jahr wieder nach Acapulco fahren“, sagt der eine. „Ach Sie waren schonmal dort?“ fragt der andere. „Nein, aber ich wollte schonmal hin“; antwortet der eine. Tja, man musste es sich halt leisten können. Während Mallorca als „Putzfraueninsel“ gehandelt wurde, stand Acapulco in seiner Blüte und in der Gunst der Reichen, berühmten und Mächtigen. Heute ist es annähernd umgekehrt.

Seinen großen Ruhm für die Schönheit seiner Landschaft wie auch die Schönheit der es bevölkernden prominenten Menschen hatte Acapulco in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Nachdem auf Kuba der Kommunismus ausgebrochen war und das schöne Land als Ziel eines politisch korrekten US-amerikanischen Tourismus weggefallen war, musste eine Alternative her. Die amerikanischen Reiseveranstalter und Hotelkonzerne erwählten Acapulco. Große Namen jener Zeit ließen sich hier nieder: Der Film-Taruan Johnny Weissmüller, die Western-Filmgröße John Wayne, der schweizer Musiker Teddy Stauffer, der Schriftsteller B. Traven – um nur einige zu nennen. Und als Volkswagen eine große Werbekampagne für den VW-Käfer machte, um dessen Blütezeit zu verlängern, war die Schönheit, die Mondänität und der Glanz Acapulcos gerade gut genug, den Käfer zu verherrlichen: In einem wirklich glänzend fotografierten Farbbildkatalog wurde der Käfer in acapulcischem Ambiente betörend schön dargestellt, er sog sich mit der Schönheit der Umgebung geradezu voll. Solche Bilder gelingen natürlich nur einem wirklichen Meister, und es war der damals schon berühmte Ernst Haas, ein aus Wien stammender amerikanischer Fotograf, der diesen Prospekt, eher Bildband, schuf. Seine Diva am Strand des Badeortes, in der untergehenden Sonne Spuren im Sand zeichnend, hatte keine Beine, sondern Räder.

Tja und so verging der Ruhm der Acapulco-Welt: Kriminalität, Drogenmilieu, Umweltverschmutzung und andere negative Begleiterscheinungen der Entwicklung Acapulcos zur Großstadt minderten die Attraktivität, und wieder einmal musste die Tourismusindustrie umsteuern – die neuen Günstlinge waren nicht gewachsen wie Acapulco, sondern sie wurden aus dem Boden gestampft, Cancun ist das vielleicht bekannteste Beispiel. Heute haben sogar diese Retortenstädte schon wieder Tradition, alt genug sind sie ja. Die landschaftliche Schönheit, den Glanz und den Ruhm aber, den Acapulco einmal hatte, den werden sie wohl nie erreichen.

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